Mit digitalen Karten lässt sich der Unterricht lebendiger, forschender und näher an der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler gestalten. Jörg Graf spricht über Chancen, Stolpersteine und konkrete Ideen für den Einsatz von Geodaten im Unterricht.
Jörg Graf, was bringt der Einsatz von digitalen Karten im Unterricht?
Digitale Karten wie zum Beispiel jene vom Kartenviewer des Bundes map.geo.admin.ch oder der App von swisstopo sind heute weit mehr als nur moderne Atlas-Seiten. Mit digitalen Karten lassen sich reale Kontexte einbinden. Die Lebenswelt der Lernenden fliesst in den Unterricht ein. So untersuchen Schülerinnen und Schüler beispielsweise den eigenen Wohnort. Oder sie beschäftigen sich mit aktuellen Themen wie Klimawandel, Migration und Verkehr. Die Forschung zeigt klar, dass digitale Karten das Lernen qualitativ verändern können, sofern sie didaktisch sinnvoll eingesetzt werden.
«Digitale Karten sind immer auch Datenvisualisierungen. Sie fördern die Datenkompetenz, die im 21. Jahrhundert eine Schlüsselkompetenz ist.»
Jörg Graf – Dozent an der Beratungsstelle Digitale Medien in Schule und Unterricht (imedias, PH FHNW)

Was sagt die Forschung genau?
Studien aus der Geographiedidaktik zeigen, dass digitale Karten das räumliche Denken stärker fördern als statische Karten. Durch Zoomen, Verschieben und das Ein- und Ausblenden von Ebenen werden Zusammenhänge sichtbar. Lernende erkennen Muster. Sie erkennen zum Beispiel das Verhältnis von Bevölkerungsdichte und Verkehr. Sie arbeiten explorativ statt nur reproduktiv. Digitale Karten unterstützen das forschende Lernen. Die Lernmotivation ist somit höher. Konzeptionelles Verständnis steht vor Auswendiglernen. Digitale Karten sind immer auch Datenvisualisierungen. Sie fördern die Datenkompetenz, die im 21. Jahrhundert eine Schlüsselkompetenz ist. Lernende lernen, Daten zu lesen, zum Beispiel Farbskalen oder Legenden. Sie hinterfragen Daten kritisch und erstellen eigene Karten.
Ist die Arbeit mit digitalen Karten im Unterricht nicht nur eine Spielerei?
Die Wirkung der Arbeit hängt stark von der Didaktik ab. Die Forschung ist hier eindeutig: Digitale Karten sind kein Selbstläufer. Typische Probleme sind die kognitive Überforderung durch zu viele Funktionen, das «Herumklicken» ohne Lernziel oder die Fokussierung auf die Technik statt auf den Inhalt. Ein Lernerfolg kann nur entstehen, wenn klare Fragestellungen vorhanden sind. Die Aufgaben müssen gut strukturiert sein und es muss Zeit für eine Reflexion eingeplant werden.

Warum soll ich als Lehrperson die swisstopo-App einsetzen?
Der Kartenviewer map.geo.admin.ch und die swisstopo-App des Bundesamts für Landestopografie bieten einige Vorteile, die sich besonders gut für den Unterricht in der Schweiz eignen. Die Daten und das Kartenmaterial sind hochpräzise und verlässlich. Die verschiedenen Kartenansichten wie klassische Landeskarte oder Luftbilder bieten unterschiedliche Perspektiven. Für das ausserschulische Lernen bietet die App Offline-Karten, GPS-Ortung in Echtzeit, sowie die Möglichkeit, Routen zu planen und aufzuzeichnen. Die Verbindung von Theorie und Praxis lässt sich mit der Planung im Klassenzimmer, der Anwendung im Freien und der abschliessenden Reflexion mit der Datenauswertung bestens bewerkstelligen. Die Einstiegshürde ist sehr niedrig: Die Bedienung ist intuitiv, die App kann kostenlos heruntergeladen werden und ist auf Smartphones und Tablets mit verschiedenen Betriebssystemen nutzbar.

Wie setze ich das als Lehrperson nun konkret im Unterricht ein?
Da gibt es viele Möglichkeiten. In der Primarstufe erkunden die Schülerinnen und Schüler zum Beispiel ihre Schulumgebung, indem sie im Kartenviewer map.geo.admin.ch eigene Orte markieren und einfache Wege einzeichnen. So üben sie auf spielerische Weise grundlegende Orientierung und Kartenverständnis. Aufbauend darauf vergleichen Schülerinnen und Schüler in Zyklus 2 und 3 mithilfe der Zeitreise-Funktion historische und aktuelle Karten oder Luftbilder. Sie untersuchen Veränderungen im Raum, beispielsweise Siedlungsentwicklung oder Landschaftswandel, und diskutieren mögliche Ursachen.
Im dritten Zyklus arbeiten Lernende projektartig mit Geodaten: Sie analysieren Themen wie Energie oder Naturgefahren, messen Distanzen oder Flächen und präsentieren ihre Ergebnisse. Dadurch werden geografische Inhalte mit Datenkompetenz und fachübergreifendem Lernen verknüpft. Auf der Plattform sCHoolmaps finden Lehrpersonen viele Ideen und Materialien.
sCHoolmaps – Geodaten für den Unterricht
sCHoolmaps bringt Geodaten in den Unterricht. Die digitale Plattform stellt Lehrpersonen vielfältige Ideen und Materialien zum Einsatz von Geodaten in verschiedenen Fachbereichen zur Verfügung. Schülerinnen und Schüler aller Zyklen arbeiten dabei mit den Visualisierungen im Kartenviewer des Bundes und entdecken mit dem Lernangebot vielfältige Phänomene aus ihrer Lebenswelt.
sCHoolmaps.ch sowie das Geoportal des Bundes werden vom Bundesamt für Landestopografie (swisstopo), in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Partnern und den Kantonen, betrieben und weiterentwickelt.
sCHoolmaps und Kartenviewer kennenlernen
Lerne sCHoolmaps und den Kartenviewer kennen. Jörg Graf führt dich durch den kostenlosen Workshop.