«Dass ich helfen durfte, hat mir viel Sinn gegeben.»

Als Éloïse eine Nachricht in ihrer Mailbox abhört, ahnt sie noch nicht, was dieser Moment auslöst: Die 28-Jährige kommt als Spenderin für eine an Leukämie erkrankte Person infrage. Monate später spendet sie ihre Blutstammzellen. Ein Gespräch über Mut, falsche Vorstellungen und die Kraft, helfen zu können.

Éloïse, du hast im Februar 2026 deine Blutstammzellen gespendet. Erinnerst du dich an den Moment, als du erfahren hast, dass du als Spenderin infrage kommst?

Ja, ich erinnere mich noch gut, das war im November 2025. Ich war im Büro und hatte einen Anruf von einer unbekannten Nummer. Erst später hörte ich die Mailbox-Nachricht. Da erfuhr ich, dass ich als Spenderin infrage komme für eine Person, die an Leukämie erkrankt ist.

Wie war deine erste Reaktion?

Für mich war das ein sehr berührender Moment. Es war dann aber noch nicht ganz sicher, ob ich wirklich als Spenderin passe. Zuerst mussten noch weitere Abklärungen gemacht werden. Erst im Dezember 2025 wusste ich definitiv, dass es ein Match ist. Dass ich die Chance bekomme, jemandem in grosser Not zu helfen, hat mich sehr bewegt.

Éloïse ist nebenberuflich leidenschaftliche Musikerin und steht regelmässig auf der Bühne. Hier 2023 im «Fri-son» in Fribourg. (Bildnachweis: Fish in the Sea)

Du sprichst von einem berührenden Moment. Hattest du keine Zweifel?

Nein, die hatte ich nicht. Für mich war klar, dass ich das mache. Wenn eine so kleine Wahrscheinlichkeit Realität wird, ist es ein Zeichen des Lebens. Ich wollte mich aber gut informieren und sicher sein, dass ich mich mit einer Spende nicht gefährde. Das war auch für meine Eltern wichtig.

«Die meisten Menschen in meinem Umfeld wussten kaum etwas über die Blutstammzellspende.»

Wie hast du dich informiert?

Blutspende SRK Schweiz hat mich sehr gewissenhaft informiert. Ich wusste immer, was auf mich zukommt, und hätte jederzeit aussteigen können. Zusätzlich sprach ich viel mit meiner Familie und mit Freunden. Über mein Umfeld konnte ich auch mit einer Person sprechen, die bereits gespendet hatte. Sie erzählte mir offen und ehrlich, wie es bei ihr ablief. Das half mir sehr.


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Du hast dich rund zehn Jahre vor der Spende registriert. Wie kam es dazu?

Ich war damals noch am Gymnasium in Sion und habe an einer Blutspende-Aktion mitgemacht. Vor Ort waren auch Mitarbeitende von Blutspende SRK Schweiz, die über die Blutstammzellspende informiert haben. Ich habe schon damals gespürt, dass das etwas Wichtiges ist. Dass man mit wenig Aufwand ein Leben retten kann. Zudem wurde mir gesagt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ich für eine Spende angefragt werde, sehr klein ist. Und dass eine Registrierung zu nichts verpflichtet. Ich wusste, ich kann jederzeit nein sagen. Das hat mir den Entscheid leicht gemacht.

Wie hat dein Umfeld auf deinen Entscheid zu spenden reagiert?

Die meisten Menschen in meinem Umfeld wussten kaum etwas über die Blutstammzellspende. Viele dachten zuerst: «Ist das nicht gefährlich?». Falsche Vorstellungen sind leider weit verbreitet. Zum Beispiel meinen viele, dass für die Spende ins Rückenmark eingegriffen werden muss. Das ist falsch. Eine Blutstammzellspende hat rein gar nichts mit dem Rückenmark zu tun und ist medizinisch absolut sicher. Und deshalb finde ich es auch so wichtig, dass man darüber spricht und Jugendliche bereits in der Schule damit in Kontakt kommen.

Was passierte zwischen der Anfrage und der Spende im Februar 2026?

Ich musste zwei Mal ins Unispital Zürich für medizinische Checks. Bei diesen Checks lernte ich auch die Leute und den Ort kennen, wo die Spende stattfinden würde. Fünf Tage vor der Spende musste ich mir täglich ein Medikament spritzen. Dieses regte die Bildung von Blutstammzellen an, damit am Spendetag dann genügend vorhanden sind für die Entnahme. Davor hatte ich etwas Respekt. Es ging dann aber recht einfach. Ich fühlte mich etwas grippig und konnte schlecht schlafen. Ich habe schon gemerkt, dass da etwas passiert im Körper.

Welche Art von Spende war es bei dir und wie lief sie ab?

Bei mir wurden die Blutstammzellen über das Blut entnommen. Man spricht von der «peripheren Blutstammzellspende». Das dauerte etwa fünf bis sechs Stunden, vor Ort im Spital. Ich habe während der Entnahme einen Film auf Netflix geschaut. Ansonsten habe ich wenig gemerkt.

Éloïse bei der Blutstammzellspende im Unispital Zürich. Links der Beutel, in dem ihre Blutstammzellen gesammelt werden.

Was war körperlich oder emotional der schwierigste Moment für dich?

Ich hatte eigentlich keinen Tiefpunkt. Ein schwieriger Moment war, als es am Tag der Spende zuerst mit dem Stechen der Venen Probleme gab, weil ich sehr kleine Venen habe. Das tat nicht nur körperlich weh. Mir war diese Spende sehr wichtig. Ich hatte das Gefühl: Ich habe eine Mission. Es wäre schlimm für mich gewesen, wenn es im letzten Moment nicht geklappt hätte.

Wie ging es dir nach der Spende?

Als ich am Tag der Spende nach Hause kam, fiel eine grosse Last von mir. Körperlich fühlte ich mich müde und etwas schwach. Und von den Stechversuchen hatte ich ein grosses Hämatom. Aber das alles legte sich rasch und die gesundheitlichen Checks nach der Spende zeigten, dass ich wohlauf bin.

Was bedeutet dir die Spende heute?

Ich denke nicht mehr so viel darüber nach, das Leben geht weiter. Ich bin aber schon ein wenig stolz, dass ich es gemacht habe. Und ich hoffe natürlich, dass meine Spende erfolgreich war. Das weiss ich halt nicht. Dass ich helfen durfte, hat mir viel Sinn gegeben.

Du kennst die Empfängerin oder den Empfänger der Spende nicht. Wie ist das für dich?

Ich habe mir oft überlegt, wer es ist. Auf der anderen Seite ist es gut, dass ich nichts über die Person weiss. Vielleicht hätte es mich beeinflusst, und das wollte ich nicht. Ich habe viel an das Umfeld der Person gedacht und dass ich mit meiner Spende nicht nur einer, sondern wohl vielen Menschen Hoffnung geben kann.